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Allergien vermeiden? Wann und wie Beikost einführen?

Dieses Thema wirft bei Eltern viele Unsicherheiten und Fragen auf.

Das erlebe ich immer wieder und das ist auch nachvollziehbar. Über Jahrzehnte wurde eine komplett andere Sichtweise als heute gelehrt und dadurch sind auch die Aussagen zu diesem Thema häufig widersprüchlich.

 

Vor Jahren hieß es: Babys sollen möglichst lange voll gestillt und mit so wenigen Allergenen wie möglich in Berührung kommen.

 

Heutzutage ist es erwiesen, das gesunde Babys sich in kleinen Schritten (wie es typischerweise laut Ernährungsplan des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund empfohlen wird) an Nahrungsmittel gewöhnen sollten. Das trainiert das Immunsystem. Eine Vollzeitstilldauer von mindestens 4 Monaten wird auch heute noch empfohlen. Das unausgereifte Verdauungssystem des Babys sollte nämlich trotzdem nicht zu früh mit zusätzlichen Nahrungsmitteln konfrontiert werden.

 

Um eine normale Toleranz zu entwickeln ist aber nach dem 4. und spätestens 6. Lebensmonat eine aktive Auseinadersetzung mit Nahrungsmitteln empfehlenswert.

 

(Anders verhält es sich selbstverständlich, wenn bereits ein begründeter Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie besteht!)

 

Einem Langzeitstillen widerspricht diese Empfehlung selbstverständlich nicht. Es ist sogar günstig wenn parallel zur Beikosteinführung weiter gestillt wird.

 

Sollten Sie bedenken bei einzelnen Nahrungsmitteln haben, können Sie diese auch zur Kontrolle erst einmal 3 Tage ohne Einführung weiterer Nahrungsmittel testen und die Reaktion beobachten.

 

Außerdem sind natürlich noch viele weitere Faktoren für die Allergievorbeugung mit entscheidend und nicht nur die Ernährung. So z.B. natürlich die Veranlagung zur Allergieentstehung, starkes Übergewicht in der Schwangerschaft, Rauchen, allgemeines Lebensumfeld, Geschwisteranzahl, usw. .

Inwiefern sich diese Faktoren letztendlich auswirken ist natürlich von Mennsch zu  Mensch unterschiedlich.

 

Wie verhält es sich speziell mit Kuhmilch?

Diese Frage bekomme ich häufig gestellt. Deshalb beantworte ich diesen Punkt extra:

 

Als zweite Mahlzeit wird üblichwerweise der Vollmilch-Getreide-Brei eingeführt.

Das ist dann frühstens nach dem 5. Lebensmonat.

Hier sollte vollfette Kuhmilch als Breigrundlage verwendet werden.

Falls Sie die Befürchtung haben Kuhmilch könnte bei Ihrem Kind Reaktionen auslösen, können Sie diese auch mit Wasser gemischt einführen. Sie erhöhen dann einfach nach und nach den Milchgehalt und ersetzen das Wasser bis die vollständige Menge Kuhmilch im Brei enthalten ist. (ca. 200 ml)

 

Aktuelle Studie belegt vorbeugenden Nutzen von Kuhmilch

 

Besonders frische Hofmilch (aber Vorsicht wegen Keimbelastung) bietet bzgl. allergischer Atemwegserkrankungen und -infektionen einen wichtigen Schutzfaktor. Milch- und Milchprodukte aus dem Supermarkt schützen aber auch. Insbesondere wurde außerdem ein früher Joghurtkonsum (am besten natur) als schützend festgestellt.

Hierbei ist die Kombination aus Joghurt, Fisch, Gemüse und Obst besonders günstig. Verantwortlich sind offenbar die löslichen Ballaststoffe und kurzkettigen Fettsäuren, die ihren Beitrag zur Darmgesundheit leisten.

 

Allerdings muss auch hier wieder erwähnt werden, dass die Ernährung nicht allein entscheidend ist.

 

Und wie verhält es sich mit Gluten?

 

Gluten im ersten Lebensjahr zur (Zöliakie)vorbeugung zu vermeiden ist nicht sinnvoll.

Es sollten aber zu Beginn der Beikosteinführung (nach frühstens 4 Lebensmonaten) erst einmal nur kleine Mengen gegeben werden. (z.B. die bewährte Brotkante ;-))

Auch die Verwendung von Haferflocken wird vom FKE (Forschungsinstitut für Kinderernährung) und der DZG (Deutsche Zöliakiegesellschaft) empfohlen.

 

Zusammenfassung:

Welche Nahrungsmittel sind besonders günstig im ersten Lebensjahr zur Allergievorbeugung?

  • viel Gemüse!
  • Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen)
  • Obst (keine/wenig Smoothies oder Säfte)
  • Fleisch aus artgerechter Tierhaltung
  • vollfette Milch und Milchprodukte (natur) von artgerecht gehaltenen Kühen, Schafen, Ziegen
  • bis zu 2  Fischmahlzeiten pro Woche, außer Ostseehering, Ostseelachs, Hecht, Schwertfisch, Hai, Bluefi und Albacore-Thunfisch (wegen Dioxin und Schwermetallbelastungen)
  • Fette und Öle: Butter, Olivenöl, Rapsöl bevorzugen und Sonnenblumenöl, Distelöl und Maiskeimöl reduzieren

 

Zum Endes des ersten Lebensjahres können Sie die Ernährung als kindgerechte Familienkost weiterführen. Günstig für die gesamte Familie ist dabei eine vielseitige, frische und qualitativ hochwertige Kost.

 

Und ganz wichtig, genießen Sie die Zeit und die Mahlzeiten mit Ihrem Kind und machen Sie sich nicht zu viele Gedanken.

Sie können viel Gutes tun mit der richtigen Ernährung von Anfang an, das ist richtig.

Aber alle Empfehlungen geben immer das "perfekte", wie es optimal laufen sollte als Orientierung vor. Das macht einerseits Sinn.

Andererseits: Sollte es nicht perfekt laufen, was wohl im Alltag mit Kindern normal ist, bedeuted das keinen Weltuntergang. Der Mittelweg ist oft ein gutes Ziel und entspannter für Eltern und Kind.

 

Alles Gute und viel Freude bei der Beikosteinführung wünscht Ihnen

Britta Kammertöns

genutzte Quellen:

Reese, I.; Schäfer, C.; Werfel, T.; Worm, M.: Diätetik in der Allergologie, München 2017, S. 131 ff.

DAAB (Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.), Hrsg.: Die Milch - schützt, in: Allergie konkret, Mönchengladbach 2019, Nr. 2, S. 19

Smollich, Martin, Vogelreuter, Axel: Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Stuttgart 2018, S. 210 ff.

 

 

 

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